Wieso wir nach Alternativen zu Leder suchen sollten….

Wer sich mit dem Thema der Leder-Gerbung noch nicht auseinander gesetzt hat, kann sich die Doku “Giftiges Leder”, die Ende September 2015 auf Arte ausgestrahlt wurde, ansehen. Die Sendung zeigt die Situation der Menschen, die in den Gerbereien von Dhaka arbeiten. Für etwa 40 EUR/Monat schuften die ArbeiterInnen, setzen sich hochtoxischen Substanzen aus, die während des Gerbungs-Prozesses verwendet werden. Sie atmen diese Stoffe ein, arbeiten ohne Schutz, barfuss und mit bloßen Händen. 90 Prozent der Arbeiter entwickeln schwere Krankheiten, und nur wenige werden älter als 50 Jahre.

Aber nicht nur die Menschen werden krank! Das gesamte Umweltsystem wird zerstört, denn die Gerbereien leiten ihre hochgiftigen Abwässer ungefiltert in den zentralen Fluss ab. Die Menschen, die nicht in den Gerbereien arbeiten, baden in diesem Fluß, waschen ihre Kleidung, ihre Teller und Schüsseln, Kinder spielen in dem Gift…. Die Abwässer suchen sich den Weg quer durch das Land. Warum sich nichts ändert? Weil genauso wie die Textilfabriken auch die Gerbereien Eigentum von hohen Regierungsmitgliedern sind!

Was also können wir tun:

  • Alternativen:
    • Produkte aus Pflanzlicher Gerbung? Dabei werden keine giftigen, chemischen Zusätze verwendet, sondern nur Auszüge aus Pflanzenteilen von verschiedenen Hölzern und Rinden (z.B. Eiche, Kastanie, Quebracho, u.a.) eingesetzt. Allerdings muss man auch hier die Nachteile sehen:
      • Die Pflanzengerbstoffe müssen erst in fernen Ländern gewonnen werden (Bäume fällen und zermahlen).
      • Sie müssen über lange Transportwege per See mit hohem Treibstoffverbrauch zu den Gerbereien gebracht werden.
      • Der Kiloeinsatz an Pflanzengerbstoffen pro gegerbte Haut ist deutlich höher als bei Chromgerbstoffen.
      • Der Schmutzwasseranfall durch die deutlich höhere Anzahl an Gerbbrühen, die das Leder durchlaufen muss, ist bei einer Pflanzengerbung wesentlich höher als bei der Chromgerbung.
    • Kunstleder ist leider keine nachhaltige Alternative, weil es aus Rohöl produziert wird und so im Plastikmüll entsorgt werden muss.
    • Kauft bei Firmen, die vegan und nachhaltig produzieren! Ich verstehe, dass viele Menschen heute auf Tierprodukte verzichten wollen und ich finde das großartig. Aber bitte bedenkt, dass die vegane Mode von bspw. Asos zwar lederfrei sein mag, aber ob sie wirklich unter menschenwürdigen Umständen produziert wurden? hmmm…..
    • Recherchiert nach Firmen, die ihre Produkte mittels Upcycling herstellen– indem sie bspw. Leder von Leder-Retouren verwenden. Eine dieser Firmen werde ich kommende Woche vorstellen.
    • Erkundigt euch nach Produkten aus Kork. Verwendet wird die Rinde IMG_0095 der Korkeiche, die nachwächst. Durch das Abschälen der Rinde nimmt die Korkeiche keinen Schaden. Kork selbst ist als Material atmungsaktiv, extrem strapazierfähig und spritzwasserdicht. Man kennt das ja vom Fußboden, Kork wärmt und ist im  Gegensatz zu Leder waschbar (mindestens fünf Waschgänge sollte die Kleidung aushalten).
    • Informiert euch: www.noveaux-mag.com ist ein Magazin über veganen und nachhaltigen Lifestyle.

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