Pimp my Wintermantel – Upcycling Pur

Wie bereits einige Male angekündigt, habe ich mit Alexandra O’Donovan von www.storyofmyshirt.de gemeinsame Sache gemacht. Alexandra bloggt über Kleidungsstücke, die sie aus alten, nicht mehr verwendeten Kleidungsstücken entworfen hat. Sie ist nicht nur eine wunderbare Schneiderin, sondern eben auch Geschichtenerzählerin: nämlich die der Kleidungsstücke und ihrer Träger. Ich habe Alexandra 2 Mäntel geschickt, die sie zu einem neuen Mantel kombiniert hat. Und dazu hab ich ihr gleich noch ein paar Fragen gestellt.

Du hast im März zu bloggen begonnen – was hat dich dazu bewogen? 

Zu dem Zeitpunkt war ich gerade in Elternzeit mit meiner zweiten Tochter und ich habe gemerkt, dass ich den Anschluss an meine alte Arbeit einfach verloren hatte. Ich wollte etwas starten, das voll und ganz von mir ist und dem Themen zugrunde liegen, für die ich schon lange brenne: Mode und das Erzählen.

Mit meinem Blog möchte ich eine andere Sichtweise auf Mode zeigen. Ich möchte ein Kleidungsstück genau betrachten und ebenso den Blick auf den /die frühere_n Träger_in lenken und diese_n portraitieren. Ich liebe Lebensgeschichten und ein Stück von diesen Lebensgeschichten ist immer mit einem Kleidungsstück verbunden und die möchte ich gerne weitererzählen.

Dein Blog hat den Namen: Story of my Shirt – not another fashion blog. Warum?

Story of my shirt erklärt sich hoffentlich von selbst 😉 — und not another fashion blog soll eigentlich nur darauf vorbereiten, dass das nicht noch ein Fashion Blog ist, auf dem jeden Tag Outfits gepostet werden, sondern der Ansatz einfach ein anderer ist. Bei mir geht es nicht so sehr um Trends, sondern eher um meine Designs und Kreationen, bei denen ich versuche, mich von hippen must-haves und Styletrends loszulösen. Auch die Quantität meiner Blogposts ist relativ niedrig, weil ich ja alles alleine mache.  Bevor ich einen Post schreiben kann, muss ich ja erst mal das Kleidungsstück herstellen, was auch seine Zeit braucht. Ich bin also eher von der Slow blogging Fraktion, hoffe aber trotzdem, das ich damit Leser finde, auch wenn ich mich nicht so oft zu Wort melde 😉

Welche Themen wirst du mit dem Blog ansprechen?

Nachhaltigkeit in der Mode ist ein sehr großes Thema, da es für mich als Herstellende nochmal eine ganz andere Schwierigkeit darstellt, bestimmte Standards einzuhalten. z.B. beim Kauf von Neuware (Faden, Futter, Einlage usw.) für die Umgestaltung alter Kleidung wirklich zertifizierte Ware zu finden.

Es gibt aber auch andere Themen, die mich in Bezug auf meinen Blog interessieren z.B. Kostümgeschichte, Mode als Kunst, Mode in Büchern oder Filmen, Mode als Identitätsausdruck (z.B. Crossdressing über die Jahrhunderte hinweg) Es gibt sehr viele spannende Bereiche….

Dein großes Thema ist Upcycling – wieso Upcycling? Was findest du daran spannend?

Aus rein handwerklicher Sicht ist es eine große Herausforderung, weil man einfach nur begrenzt Material zur Verfügung hat. Ich kann nicht einfach den Schnitt auf 5 m neuen Stoff auflegen und gemütlich zuschneiden, sondern ich muss richtig puzzeln und teilweise auch Ideen wieder verwerfen, weil das Material eben nicht reicht. Das ist für mich der Teil, der am meisten Spaß macht, weil hier die Kreativität richtig herausgefordert wird. Ich will trotz dieser Schwierigkeit ein Teil herstellen, dem man diese Schwierigkeit aber nicht ansieht.

Spannend finde ich eben auch, gebrauchte Kleidung wie ein Buch für Erlebtes, Erinnerungen und Lebensstationen zu betrachten. Kleidung ist soviel mehr als nur der Stoff, der unsere Körper bedeckt oder der letzte modische Trend. Wenn ich also gebrauchte Kleidung verwende, dann ist es immer wie ein Aufschlagen eines Buches und ich will das Kapitel, das mir daraus erzählt wurde, weitererzählen. Das gebrauchte Kleidungsstück findet ja auch kein Ende auf dem Müll, sondern lebt mit meinem kleinen „Facelift” weiter: Es ist sozusagen ein repariertes und neugestaltetes Buch mit unbeschriebenen Seiten für neue Geschichten und Erlebnisse. (Anmerkung: unten seht ihr die Entstehung des neuen Mantels)

Wann war für dich der Wendepunkt, so dass du dich mit Nachhaltigkeit und Upcycling beschäftigt hast und du dich von der konventionellen Mode entfernt hast?

Ich muss gestehen, ganz von der konventionellen Mode habe ich mich nicht abgewandt. Ich laufe also nicht von Kopf bis Fuß in Upcycling Garderobe herum. Ich versuche aber schon lange meine Garderobe so zu gestalten, dass ich Kleidungsstücke sehr lange tragen kann. Das liegt in erster Linie daran, dass ich nicht so gerne in der Stadt einkaufen gehe. In Kombination mit meiner Ungeduld ist das nämlich keine gute Mischung… Daher versuche ich das Einkaufen so gering wie möglich zu halten, indem ich Sachen kaufe, die qualitativ so hochwertig sind, dass sie nicht gleich kaputt gehen und vom Design her auch nicht gleich im nächsten Jahr altbacken aussehen.

Außerdem bin ich sehr schlecht im Dinge wegwerfen, und so bin ich irgendwie dann dazu gekommen, die Sachen, die doch einfach nicht mehr tragbar waren, umzuändern, so dass ich sie noch ein bisschen länger tragen konnte. Dieses Bestreben spiegelt sich in meinen eigenen Designs wieder: Ich mag zeitloses Design, bei mir wird man keine Rüschen oder Tigerprints finden, nur weil das gerade hip ist.

Wie wird sich Upcycling in Zukunft weiter entwickeln? Was denkst du?

Ich denke, dass der Prozess der Wiederverwertung weiter technisiert werden wird, nicht nur im Bereich der Mode, und dass das vor dem Hintergrund der schwindenden Ressourcen die Technologie der Zukunft sein wird. Im Moment ist es gerade bei großen Firmen leider noch eher ein Lippenbekenntnis und Marketinggedanke, hinter dem nicht viel steht. Ich denke da an den großen schwedischen Modegiganten, die sich ja momentan die Wiederverwertung ganz groß auf die Fahnen schreiben, aber eigentlich nicht wirklich viel passiert. Werde zu diesem Thema bald bloggen. Aber ich glaube fest an die Veränderung. Wir sind früher oder später einfach gezwungen, schonender mit unseren Ressourcen umzugehen.

Folgst du anderen Blogs? Welche Blogs findest du inspirierend?

Das ist natürlich schwer da eine Auswahl zu treffen, bei den vielen tollen Blogs da draußen, aber diese finde ich schon sehr toll:

apersonalstyle.com von Julia Richter

wasmachendieda.de von Isabel Bogdan und Maximilian Buddenbohm

qwearfashion.com Bloggerkollektiv

Und Deinen Blog natürlich, den habe ich ja gerade erst entdeckt und fand ihn so toll, dass ich ihn gleich mal auf meinem Blog vorgestellt habe!

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Schwierige Frage… aber neben dem Wohlergehen für meine Familie wünsche ich mir im Moment für mich, dass ich es schaffe aus dem Blog ein Label aufzubauen und Menschen dafür zu begeistern, so dass sie mir meine Einzelstücke abkaufen wollen.

Wer von euch auf den Geschmack gekommen ist und vielleicht selbst Teile hat, aus denen er gerne ein neues Kleidungsstück hätte, kann Alexandra gerne unter info@storyofmyshirt.de oder aber über Facebook kontaktieren.